Es gibt Geschichten, die hört man so oft und von so

vielen unterschiedlichen Menschen, dass man

sie irgendwann einfach nicht mehr hinterfragt, sondern

ganz automatisch für bare Münze hält.

So auch die Geschichte von den wertvollen 1-Cent-Stücken

und dem Verbot, sie zu sammeln.

„Wusstest du, dass man 1-Cent-Stücke nicht sammeln darf, weil die beim Einschmelzen mehr wert sind als einen Cent pro Münze?“ „Klaaaar.“ Naja, so klar ist das dann eben doch nicht. Fragt man im Bekanntenkreis rum, gibt es eine Hälfte, die den Mythos kennt und natürlich irgendwie glaubt und eine Hälfte, die noch nie etwas davon gehört hat, aber schnell bereitwillig anfängt, es zu glauben.

 

Was kostet das Geld?

 

Aber woher kommt dieser Glaube? Vielleicht noch aus der Zeit vor dem Euro? Zur Zeit der Deutschen Mark kostete die Herstellung eines 1-Pfennig-Stücks circa 2,5 Pfennige. Das heißt, es war damals für die Regierung wirklich teurer diese Münzen herzustellen als der Wert, der dadurch in Umlauf gebracht wurde. Hätte man damals nur 1-Pfennig-Stücke geprägt, wäre das natürlich ein Problem geworden. Sieht man das Ganze aber nicht isoliert, sondern zieht zum Beispiel auch die Herstellung von Geldscheinen hinzu, dann relativiert sich die Situation schnell. Bei denen liegt der Materialwert zur Herstellung nämlich sehr weit unter ihrem Nennwert. Heute zum Beispiel fallen bei 500-Euro-Scheinen gerade einmal 16 Cent Herstellungskosten an. Da könnte man dann als Staat auch eine Menge Cent-Stücke für mehr als einen Cent prägen lassen ohne arm zu werden. Das Problem ist aber ein anderes. Es geht nämlich nicht um den Herstellungspreis, sondern um den reinen Materialwert. Würde der Materialwert des 1-Cent-Stücks den Prägewert übersteigen, dann könnte man all sein Geld in die kleinen Glücksbringer-Münzen tauschen, diese dann einschmelzen und mit Gewinn an einen Rohstoffhändler verkaufen.

 

Wie teuer ist ein Cent?

 

Zum einen kostet es nur ziemlich genau einen Cent um eine 1-Cent-Münze herzustellen, dabei sind Material und Prägekosten in diesem Cent enthalten. Zum anderen und viel wichtigeren Punkt: Der Materialwert einer 1-Cent-Münze übersteigt bei Weitem nicht ihren Prägewert. Ein 1-Cent-Stück sowie ihre großen Geschwister das 2- und das 5-Cent-Stück bestehen in ihrem Kern nämlich aus Stahl. Kupfer alleine wäre auch gar nicht stabil genug, um wirklich praktikabel zu sein. Nur circa 5,65 % der 2,3 Gramm schweren 1-Cent-Münze bestehen aus Kupfer. Das macht dann pro Münze etwa 0,129 Gramm von dem schönen Edelmetall. Bei dem aktuellen Kupferpreis von 4,73 € pro Kilo würde man also für eine 1-Cent-Münze etwa 0,06 Cent für die Kupferlegierung bekommen. Wobei man hierfür zunächst die Legierung von ihrem Stahlkern trennen müsste, was zusätzlich einen hohen Aufwand darstellt. Was bleibt, ist der Trost, dass es absolut nicht verboten ist, diese Münzen zu sammeln.

 

Damals im Krieg …

 

Das letzte Mal war es das im Jahr 1939. In der Kriegswirtschaftsverordnung wurde es als „Kriegsschädliches Verhalten“ beschrieben und festgelegt, dass „Wer Geldzeichen ohne gerechtfertigten Grund zurückhält, […] mit Gefängnis, in besonders schweren Fällen mit Zuchthaus bestraft“ werden konnte. Hintergrund dieser Verordnung war, dass Metalle für die Rüstungsindustrie dringend gebraucht wurden und somit nicht in Privatbesitz gehortet werden durften. Womöglich stammt der Mythos vom Kupferschatz im Portemonnaie zum Teil auch aus dieser Zeit.

 

„Ich mach mit meinem Geld

das, was mir gefällt“

 

Heute gilt dieses Gesetz aber nicht mehr und hingegen landläufiger Meinung ist es auch nicht verboten, Geld zu vernichten. Sobald man eine Banknote oder eine Münze erhält, wird es rechtlich zu persönlichem Eigentum und kann dementsprechend behandelt werden wie es der Besitzer für richtig hält. Wer sich die Zigarre an einem 100-Euro-Schein anstecken möchte, kann das genauso tun wie einen Glücks-Cent in einen Teich werfen. Beides ist absolut legal. Genau wie das Sammeln von 1-Cent-Stücken. Auch wenn man damit sicher nicht reich wird, aber ein paar davon irgendwo aufzubewahren ist trotzdem bestimmt keine schlechte Idee. Als Glücksbringer taugen die kleinen Münzen ja schließlich auch weiterhin.